Guten Tag

und vielen Dank für Ihre E-Mail, Herr Gauss. Sie ist die zweite ihrerseits an den AStA - Greifswald in meiner Amtszeit. Auch dieses Mal werde ich sie beantworten.

Ernst Moritz Arndt war ein deutscher Patriot, Schriftsteller und Publizist; nicht zuletzt auch Professor für Geschichte. Er wurde auf Rügen geboren und studierte unter anderem in Greifswald. Mit seiner Schrift Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen trug er entscheidend zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Vorpommern bei. Als patriotischer, antinapoleonischer Schriftsteller wirkte er im Geist der Zeit und wurde zur Flucht nach Schweden gezwungen. Er ergriff leidenschaftlich Partei für die politische Einheit Deutschlands und war mehrere Jahre lang darüber hinaus Privatsekretär des Freiherrn von Stein. Es folgten Jahre als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Dem Zeitgeist des beginnenden 19. Jahrhundert folgend, verfasste Arndt Schriften zur politischen Einheit Deutschland. Antisemitismus und patriotistische Lieder waren in dieser revolutionären Zeit Gang und Gebe. Ich möchte auf Richard Wagner verweisen, der auf Grund seines politischen Engagements für den radikalen Flügel der deutschen Politik zeitweise steckbrieflich gesucht wurde. Wagner, als zeitgenössischer Komponist und Musiktheoretiker, verfasste Aufsätze über Jüdische Musik und das Judentum. In kritischem Licht muss sein rücksichtsloser Antisemitismus, den er z.B. in der Schrift Das Judenthum in der Musik (1850) Ausdruck gab, gesehen werden. Die spezifisch deutsch-germanische Thematik seiner Opern machten Wagner zu einem besonders attraktiven Komponisten für die Nationalsozialisten. Gleichsam verhält es sich mit Ernst Moritz Arndt. Auch er wurde von den Nationalsozialisten für braune Propaganda missbraucht. Dies geschah sicherlich nicht im Interesse der Beiden.

Ihrer Bestrebungen, Herr Gauss, die Universität Greifswald mit einer Namensänderung von Arndt zu befreien, muss ich widersprechen. Wurde Wagner, da er von den Nazis missbraucht wurde, von den Spielplänen der deutschen Opern nach 1945 genommen? Nein! Wurden Wagner-Gymnasien, Wagner-Festspiele, die Stadt Bayreuth von diesem Namen befreit? Nein! Ich bin gespannt auf www.no-wagner.de !

An der EMAU Greifswald studieren derzeitig 10400 Studierende. Mir sind zwei Studierende bekannt, die den Namen Arndt lieber heute als morgen gestrichen sehen möchten. Der von Ihnen geäußerte Umbenennungsvorschlag in "Universität der weißen Rose Greifswald" zeigt - leider - keinerlei Bezüge zu unserer Universität. Zum einen haben die Geschwister Scholl und die Herren Schmorell, Probst, Graf, Huber sowie Leipelt meines Wissens nach keinerlei Bezug zu Greifswald, geschweige denn zur hiesigen Universität. Diesen Namen sollte daher eher die (Technische) Universität München tragen. Zum anderen scheint der Name einer Vereinigung auch nicht geeignet als Unversitätsnamenspatron. Unabhängig von ihrem politischen Hintergrund.

Als interessierter AStA-Vorsitzender und Geschichtsstudent habe ich den Artikel des Herrn Lang gelesen und muss sagen, dass ich Teile des Artikels als wissenschaftspublizistisch fraglich erachte. Ich möchte jedoch nicht verhehlen, dass der Internationale Briefkopf des AStA ohne den Namenszug Arndts angelegt ist. Gleiches gilt meines Wissens nach auch für die Auslandsbeauftragten der Fakultäten.

Abschließend eine Bemerkung für weitere Vorhaben ihrerseits: Eine E-Mail an Rektorat, Kanzler, Auslandsamt, Pressestelle u.s.w., welche die Worte "Fuck you" beinhaltet, wird - sollte sie tatsächlich ein Mitarbeiter lesen - gelöscht. Im Übrigen wird die E-Mail vermutlich durch den SPAM-Filter ausgesondert.


Mit freundlichen Grüßen

Thomas Schattschneider
- AStA Vorsitzender -
AStA Universität Greifswald
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Guten Tag,

Ich wende ich mich an Sie, da Sie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald sind. Ich kritisiere diese Namensgebung und möchte dies erläutern:

"Da nun aus allen Gegenden Europas die bedrängten Juden zu dem Mittelpunkt desselben, zu Deutschland, hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese verderbliche Überschwemmung vorzüglich von Osten her nämlich aus Polen droht, so ergeht das unwiderrufliche Gesetz, daß unter keinem Vorwande und mit keiner Ausnahme fremde Juden je in Deutschland aufgenommen werden dürfen, und wenn sie beweisen können, daß sie Millionenschätze bringen." [zitiert nach: "Weltgeschichte im Aufriß", Bd. 2, Verlag Diesterweg, Frankfurt/Main 1978, Seite 191] und"Ich will den Haß gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für lange Zeit, ich will ihn für immer. (...) Dieser Haß glühe als Religion des deutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in allen Herzen und erhalte uns immer in unserer Treue und Redlichkeit und Tapferkeit..." [a.a.O.]

Ich nehme Bezug auf den Artikel des Historikers Hans-Joachim Lang der den
Verlauf einer pseudo-wissenschaftlichen Mordaktion aufklärt.(Zeit - Nr.35 - 2004) 176 Menschen wurden gesondert vergast um Rassenhetze scheinbar zu fundamentieren. Der Holocaust ist die Folge eines nationalistischen Antisemismus, dem Ernst-Moritz Arndt in zahlreichen Werken im 19.Jahrhundert den Weg mitbereitete. Darum benannten die Nazis auch zahlreiche Schulen und die Universität Greifswald nach dem Dichter eines aggressiven Nationalismus.

Geht man heute auf die Homepage der www.uni-greifswald.de sieht man, dass nach 60 Jahren immer noch keine Konsequenzen gezogen wurden: der Name der Universität lautet immernoch Ernst-Moritz Arndt-Universität. Gewiss ist Arndt Teil deutscher Geschichte, als Nazi-Poet,als früher Vordenker in Rassenfragen. In nur 12 Jahren ist eine moralische Katastrophe zustande gekommen, die 1945 ein zerstörtes Europa hinterließ.

Ernst-Moritz Arndt ist keine Referenz, auch nicht wenn man auf eine ansonsten vermeintlich liberale Haltung verweisen wollen würde. Mich interessiert auch nicht, ob es sich sein Scheiß reimt und was er mit Greifswald zu tun hat...Fuck you!

Als weltoffener Bürger der Europäischen Union in einer mobiler werdenden Welt des 21. Jahrhunderts kann ich nicht akzeptieren, dass der Antisemit Arndt die Identifikationsfigur einer deutschen Universität darstellen soll. Europa muss sich nicht nur geographisch sondern auch mental erweitern.

Die Universität-Greifswald täte gut daran den Namen zu ändern. Sofort. Keine Schule, nichts und nirgendwo sollte sich mit diesem Namen schmücken! Falls mangelnde Kreativität an diesem Faux-pas Schuld sein sollte; Universität der weißen Rose Greifswald wäre ein Verweis auf studentisches Aufbegehren, Ausdruck eines politischen Verständnisses und von Courage. Courage, die wir nötig haben.

mit weltoffenem Gruß

christian gauss


http://www.no-arndt.de

Lieber Johannes,

Vielen Dank für deine Mail. In der Tat, die universitären Gremien sind schon mehrfach im Diskurs über eine Umbenennung gewesen. Bisher jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Einige Dozenten und Studierende nutzen den Namen EMA nicht mehr auf ihren Briefköpfen - das ist aber auch schon alles. Die empfohlene Homepage werde ich gern studieren. Ein neuer Impuls kann nicht schaden.

Mit besten Grüßen

Thomas Schattschneider
- AStA Vorsitzender -
AStA Universität Greifswald
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Hallo

Auf einem abendlichen Spaziergang durch die Weiten des Irrealen stieß ich auf einen Protestartikel gegen den Titel Eurer Hochschule. Dazu ein paar Zeilen an Euch.

Findet Ihr es nicht merkwürdig unter einem Namen zu studieren, der nationalistische Werke vollbracht hat, die nicht vom NS-Regime ausgenutzt wurden, sondern die dieses Regime gestärkt haben. Auf www.noarndt.de schlägt der Verfasser eine Umbenennung in Universität der weißen Rose Greifswald vor, einen Vorschlag, den ich äußerst gelungen halte. Der neben den auf genannter Seite beschriebenen Argumenten auch wesentlich unterstützend für das zehn-Thesen-Papier, mit dem Eure Hochschule den virtuellen Besucher begrüßt, eintreten kann. Denn Ernst-Moritz-Arndt hatte es sich nicht auf die
Fahnen geschrieben, für Gleichberechtigung und Unterstützung der Schwachen zu kämpfen.

Ich weiß ja nun nicht, inwieweit Ihr Euch im Diskurs befindet, den Namen Eurer Uni zu ändern, inwieweit sich das Land, die Hochschulleitung oder andere dem entgegenstellen. Vielleicht habt Ihr die Zeit, mir zu antworten, ich freu mich drauf.


mit freundlichem Gruß
Johannes Boden

 

Vielen Dank an Johannes, der freundlicherweise den Dialog weiterleitete.


Thomas Schattschneider, ASTA-Vorsitzender in Greifswald, antwortete auf die beiden mails.

Johannes war schneller als ich selbst - wow - und sendete mir freundlicherweise den Dialog. Die an den ASTA gesendeten mails sind unter der Antwort angehängt.

Die Antworten sind interessant und aufschlußreich und ich bin sicher, die Diskussion geht weiter...

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